"Paul Gerhardt"
wer war dieser Mann?
Paul Gerhardt
Gedenktag evangelisch: 27. Mai
Name bedeutet: der Kleine
(griech.)Pfarrer, Liederdichter
* 12. März 1607 in Gräfenhainichen in Sachsen + 1676 in Lübben im Spreewald

Paul Gerhardt wurde als Sohn eines Bürgermeisters, Bauern und Gastwirts geboren; als er
12 Jahre alt war, starb der Vater, zwei Jahre danach die Mutter. Paul konnte dennoch die
Fürstenschule in Grimma besuchen; als infolge des 30-jährigen Krieges die Pest auftrat,
entvölkerte sich die Schule, Paul Gerhardt aber hielt tapfer aus. Am 15. Dezember 1627
verließ er Grimma mit dem Zeugnis für den Besuch der Universität. und studierte ab 1628
Theologie in Wittenberg, Hier hat er bis 1642 gelebt und arbeitete als Hauslehrer. Dass es
in der Zeit des 30-jährigen Krieges auch bei ihm an Not und Elend nicht gefehlt hat,
davon singt er im zweiten Vers seines Pilgerliedes:
Was ist mein ganzes Wesen
von meiner Jugend an
als Müh und Not gewesen?
Solang ich denken kann,
hab ich so manchen Morgen,
so manche liebe Nacht
mit Kummer und mit Sorgen
des Herzens zugebracht ...
1643 übersiedelt Paul Gerhardt nach Berlin und war bis 1651 Hauslehrer bei A. Berthold,
seinem späteren Schwiegervater. 1651 bekam er eine feste Anstellung als Probst in
Mittenwalde. 1655 heiratete er Anna Maria, geb. Berthold., 1657 wurde er Pfarrer an der
Nikolai-Kirche in Berlin. 1666 wurde er entlassen, weil der stark von der traditionellen
lutherischen Orthodoxie geprägte Paul Gerhardt dem preußischen Toleranzedikt nicht
zustimmen wollte, das auch den Protestanten reformierter Prägung eine Heimat in der
Kirche bieten sollte. Er hatte im Auftrage der Kirchenleitung Berichte und Eingaben an den
Kurfürsten mit verfasst und mit unterzeichnet und stand somit als einer der Wortführer
der Unerschütterlichen in deren vorderster Reihe. Diese Schriften lassen ihn als
sattelfesten Theologen, gewandten Dialektiker und klaren, logischen Denker erkennen. Zwar
konnte er aufgrund vieler Bittschriften sein Amt noch eine Zeit lang ausüben, aber seine
beharrliche Konsequenz führte 1667 endgültig zum Verlust der Pfarrstelle.
1668 starb Paul Gerhardts Frau, auch vier der fünf Kinder waren bereits gestorben. Nach
zwei Jahren ohne Amt wurde er 1669 Archidiakon im abgelegenen Ort Lübben im Spreewald, wo
er nach sieben einsamen Jahren starb.
Paul Gerhardt dichtete in all den Jahren mehr als 130 Lieder und wurde nach Martin Luther
der bedeutendste Liederdichter der deutschen evangelischen Christenheit. Seine Lieder
entstanden aus der Erfahrung persönlichen Leides und zu einem großen Teil, als der
dreißjährige Krieg tobte; die meisten und wertvollsten seiner Lieder sind die Frucht der
Zeit zwischen 1643 und 1653; sie sind besonders von Gottvertrauen und Heilserfahrung
geprägt. Das älteste Berliner Gesangbuch von = Johann Crüger enthält 18 Lieder von
Gerhardt, die Ausgabe von 1653 bereits 81. Für die Verbreitung seiner Lieder hat der
Dichter selbst nichts unternommen, dass sie bekannt wurden, ist das Verdienst von Crüger
und dessen Nachfolger Johann Georg Ebeling.
Oft wird gesagt, seine trostvollen Lieder seien aus der Not des 30-jährigen Krieges
geboren. Aber als dieser Krieg über Deutschland hereinbrach, war er noch ein Kind, die
meisten seiner Lieder entstanden erst in späteren Jahren. Passionslieder sind aber
tasächlich die größte thematische Gruppe in seinem Schaffen: Es waren vor allem die
traurigen persönlichen Erfahrungen, die er als bekennender Christ in der Kirche seiner
Zeit machte, welche ihn prägten und seinen Liedern zu Grunde legte. Seine Lieder
bezeugen, dass er dadurch nicht verbittert wurde, sondern in sinnlicher,
bildlich-anschaulicher und gefühlvoller Sprache von Leid und Not und von dennoch
bewährter Zuversicht des Glaubens sprechen konnte. Er erzählt in archetypischen Bildern
vom nahen Gott - ganz gegen die Theologie seiner Zeit, die den herrschenden und richtenden
betonte. Sogar mütterliche Züge werden gezeichnet von einem Gott, der im Alltag der
Menschen gegenwärtig ist und in der Schönheit seiner Schöpfung allezeit erfahrbar wird.
Das Evangelische Gesangbuch enthält heute 26 Lieder, deren Text von Gerhardt stammt,
darunter so bekannte wie "Befiehl du deine Wege" nach Psalm 37, 5 (EG 361),
"O Haupt voll Blut und Wunden" (EG 85), "Wie soll ich dich empfangen"
(EG 11), "Kommt und laßt uns Christum ehren" (EG 39), "Die güldne Sonne
voll Freud und Wonne" (EG 449), "Nun ruhen alle Wälder" (EG 477) oder
"Geh aus, mein Herz, und suche Freud" (EG 503).